Andreas Rinnößel, Postfach 141 (Schiltachstr. 63), D-78702 Schramberg
Büro Deutschland:
Internetdownload
Andreas Rinnößel
Infos und Meldeformulare
Pof. 141 (Schiltachstr. 63)
D-78702 Schramberg
Peking 2009
Tel.: 07422 / 21665
Fax: 07422 / 21699
www.akupunkturbehandlungen.com
Stand: 25.12.2008
P E K I N G: – Klinische Akupunktur – Sonderveranstaltung 2009
Klinische Praxis mit Unterweisung am Patienten und Theorie auch für Medizinstudenten
Termin: 27.07. bis 28.08.2009 – Teilnehmerbegrenzung: 30 Personen
Achtung! Kein ausdrücklicher Famulaturaufenthalt!
Ni hao (guten Tag)!
zunächst danke wir für Ihr Interesse an der "Exkursion" in die für viele - nicht nur im klinischen
Zweig - fremde Welt der "Traditionellen Chinesischen Medizin" (TCM).
Mit der Sonderveranstaltung, auch für Medizinstudenten, soll den „Jungmedizinern“ – direkt an der
„Wiege der Akupunktur“ - Gelegenheit gegeben werden Routinen der klinischen Praxis zu
erfahren und durch die dortigen Experten in den Genuß von theoretischen Vorlesungen zu
gelangen.
In Peking öffnen sich Ihnen Spezialbereiche, die selbst heute nicht für jeden zugänglich sind. Ins-
besondere durch Integration in den TCM-Klinikablauf haben Sie die Möglichkeit, sich mit der
"Echten chinesischen Praxis" anzufreunden. Sie erlangen, unter Leitung maßgeblicher Professoren
und Medizinern, wichtige Erfahrungen der klinischen Akupunkturpraxis (Kostenlose Demo-Version,
Akupunktur Diagnose- / Behandlungs Software (ca. 23 MB) unter www.akupunkturnadeln.de/Acupherb.exe, wenn Sie möchten)
Achtung: Stimmen Sie bitte in jedem Fall Ihre individuelle Situation vorher mit Ihrem zuständigen
Landesprüfungsamt ab, ob Sie diese Sondermaßnahme als Famulatur anwenden können und
besorgen Sie sich ggf. die deutschen Auslands-Famulaturformulare. In Peking erhalten Sie
folgende Nachweise: Lichtbildzertifikat, Liste mit täglichen Einzelteilnahmebestätigungen, Stunden-
und Themennachweis. Es handelt sich hierbei nicht um einen ausdrücklichen Famulaturaufenthalt!
Ebenfalls eröffnet sich Ihnen die Möglichkeit Peking "hautnah" zu erleben. So wie Peking wirklich
ist und wie es touristischen Augen weitgehend verborgen bleibt. Dazu müssen Sie bereit sein, die
gewohnten "deutschen Maßstäbe" völlig abzulegen und Komfortverzicht hinzunehmen! Dort wo Sie
sich vorrangig bewegen werden, finden Sie keine deutschen Gegebenheiten. Sie tauchen in das
Ursprüngliche ein und bewegen sich nicht auf einer touristischen Ebene.
Sie "leben" für etwa vier Wochen im zentrumnahen Nordosten Pekings. Im z.T. noch
ursprünglichen, dem chinesischen Alltag entsprechenden Stadtteil Dongzhimen. Dennoch wird
immer weniger so wie es gestern war heute vorgefunden. Peking befindet sich im beschleunigten
Wandel. Stellen Sie sich bitte darauf ein.

- 2 -
Darüber hinaus finden Sie in unmittelbarer Nähe U -, S-Bahn und Busstationen. Das „Vogelnest“
erreichen Sie mit der U-Bahn in kaum 30 Minuten.
Besonders in der "Rushhour" prägen unzählige Fahrräder, förmlich überflutend das Straßenbild. Im
für uns unverständlich gut funktionierenden "Verkehrsdurcheinander" kommt es kaum zu Unfällen.
Allgemein wird langsamer gefahren. Keineswegs wegzudenken tragen die zahlreichen klingelnden
Fahrradglocken angenehm zur typischen Atmosphäre bei.
Neben den vielen Garküchen, Marktständen und Läden, angefangen bei Tee-, Lebensmittel- und
Kurzwarenläden, bis hin zur Apotheke mit getrockneten Geckos und den vielen winzigen chinesi-
schen Restaurants mit ganz hervorragender und bedenkenlos empfehlenswerter Küche (ab ca.
0,50 €), ist nahezu alles was das Herz begehrt in unerwartetem Überfluß vorhanden.
Obwohl das Ausbildungszentrum gerade ca. 20 Fahrradminuten vom "Gugong”, dem Kaiserpalast
und Herzen Pekings entfernt liegt, verirren sich nur selten Touristen oder Ausländer in die Gegend
von Dongzhimen. Übrigens kostet eine U-Bahnfahrt durch ganz Peking knapp 0,30 €.
Auf diese Weise hoffen wir Ihnen einen kleinen, oberflächlichen Eindruck vermittelt zu haben. Ein
chinesisches Sprichwort sagt:
Einmal sehen ist besser als hundertmal hören!
(Kleine Diashow’s und Kaiserschnitt, siehe: „www.akupunkturbehandlungen.com“)
Anhängend finden Sie das "Teaching Program für die Sonderveranstaltung und ein Meldeformular
mit der genauen Beschreibung der Leistungen.
Im Falle Ihres Teilnahmewunsches senden Sie bitte das ausgefüllte Meldeformular (extrem gut
leserlich!) zurück. Die Annahme der Teilnehmer erflogt nach postalischem Eingang.
Reservierungen können nicht vorgenommen werden!
Die chinesischen "Application Form's for China Beijing International Acupuncture Training Centre"
liegen bei uns vor. Nach dem Erhalt Ihrer Anmeldung geht Ihnen ein Applicationform zu. Reichen
Sie es bitte ausgefüllt (Schreibmaschine), versehen mit einem Lichtbild und unterzeichnet zurück.
Fertigen Sie sich von beiden Formularen eine Kopie für Ihre Unterlagen an.
Ausdrücklich weisen wir darauf hin, daß die Botschaft der Volksrepublik China, aus Gründen der
VISA-Erteilung (Sondervisum Typ „F“), die China Academy for Chinese Medical Sciences in Peking
wir, die im Application Form und in der Anmeldung angegebenen Informationen aufzeichnen. Mit
dem Eingang der von Ihnen ausgefüllten Formulare und der Teilnahme stimmen Sie automatisch
der Verarbeitung Ihrer Daten zu.
Mit freundlichem Gruß und Zei Tijen (auf Wiedersehen)
gez. Andreas Rinnößel
Achtung – Wichtig!! Übersehen Sie bitte nicht, daß der Preis auf dem Anmeldeformular keine Treibstoffzuschläge, Sicherheitsge-
bühren etc. enthält! Sie können für 2009 noch nicht beziffert werden. Vielen Dank für Ihr Verständnis, daß wir sie separat berechnen!
- Darüber hinaus sind die Flugscheine voraussichtlich nicht umbuchbar und werden als E-Tickets ausgestellt -

- Acupuncture & TCM -
Hospital integrated Teaching Program
for Medical Students too - in (China), Õ (Beijing)!
Period: July 27th – August 28th 2009 – 30 Participants
1. After 4 weeks of clinical integration, practise and study, students will be able to acquire a brief
understanding of basic theories of TCM for acupuncture and a preliminary mastery of
fundamentals of acupuncture and moxibustion in relation to basic techniques of manipulation and
locations of some commonly used points as well as the therapeutic methods to treat some
common diseases by applying the theses of TCM diagnostic methods.
2. Students are required to cover a full day program - five days a week.
3. Every morning students will be split into small groups each of 4 persons, to enjoy an effective
integration in to the daily clinic work, to see the medical routine as well as to have practise in
hospitals, supervised by Chinese doctors. Communication will be assured by translators. In the
afternoon they will have theoretic lectures on acupuncture theories including demonstrations.
4. The students will undertake in clinics the following:
Generally speaking, they will learn to treat and take care of the patients under supervision of
Chinese doctors and teachers. They will learn specific manipulation of needle techniques, to
make diagnosis of patients according to four diagnostic methods, discuss with the doctors
about different cases according diagnosis and treatment principles.
Solve all kinds of practical problems encountered with the help of the doctors. Educational visits
at section operations supported by acupuncture anaesthesia, so far it is possible and going to
be permitted during the period of this program.
5. The lectures in the afternoon will cover: Introduction how to handle Patients and medical
equipment: 1. before, 2. during and 3. after the acupuncture treatment. Techniques of acupuncture
and moxibustion including demonstrations, running course of meridians and collateral’s and the
location of points, general principles of acupuncture treatment, diagnostic methods, detailed
introduction of the treatment methods of some common diseases, brief introduction to ear
acupuncture and acupuncture anaesthesia.
Stand: Dezember 2009. Irrtum und Änderungen vorbehalten.

- Bedenken Sie -
für Ihren Aufenthalt in (China)
Sie bewegen sich nicht auf einer touristischen Ebene. Es
öffnen sich Ihnen ganz besondere Bereiche, die selbst heute
noch nicht für jeden zugänglich sind. zählt zu den rasant
aufstrebenden Entwicklungsländern der Erde. Legen Sie
daher alle gewohnten deutschen Maßstäbe ab und
respektieren Sie, als Gast, diese für uns so fremdartige Welt,
die über Jahrtausende geprägte Kultur sowie die Sitten, Ge-
bräuche und Verfahrensweisen der dort lebenden Menschen.
Reichen Sie einfach die Hand und schließen Sie
Freundschaften.
Versuchen Sie zu verstehen und sich im Rahmen Ihrer
Möglichkeiten anzupassen. Unvoreingenommen sollten Sie
aufgeschlossen dazu bereit sein, von den liebenswürdigen
und freundlichen Menschen viel zu lernen und sich
gemeinsam vertraut auszutauschen.

Anmeldung und Auftragsformular
(Bitte ergänzen und an A. Rinnößel, Postfach 141 (Schiltachstr. 63) in D-78702 Schramberg zurücksenden)
www.akupunkturbehandlungen.com
Sonderveranstaltung (keine ausdr. Famulatur!) am WHO Collaborating Centre for TM in Peking:
Termin: Ab- / Rückreise: 27.07. / 28.08.2009 – Achtung! Flüge vorauss. nicht umbuchbar!
Teilnehmerzahl: Nur 30 Personen - Heilberufsangabe notwendig! Ich bin
Medizinstudent
andere: _________________________
Geb.Datum: ____________________
Name:
_________________________
Telefon:
____________________
Vorname:
_________________________
E-mail:
____________________
Straße:
_________________________
Weiblich:
Männlich:
PLZ/ORT: _________________________
Nationalität: _____________________
(für VISUM-Zwecke)
Anschrift der UNI bzw. des Arbeitgebers:
_______________________________________________________________________________
Leistungen (gelten nur ab Deutschland!) icl. DB 2.Kl gemäß RAIL & FLY Bedingungen:
(Ausdrücklich nicht eingeschlossen: Versicherungen, Verpflegung sowie Flughafensteuern-,
Sicherheitsgebühren und Treibstoffzuschläge, die heute für 2009 nicht überschauber sind):
1. VISA Service (nur für Deutsche o. Nichtdeutsche mit Arbeitsgenehmigung), 2. Liniendirektflüge (FRA-PEK-FRA) NON-STOP in ca.
8 1/2 Stunden 3. Transfers in Peking (Flughafen-Unterkunft-Flughafen sowie alle Gruppentransfers in Verbindung mit den tägl.
Klinikbesuchen (Mo-Fr) 4. Akupunktur- / TCM Praktikum und Theorie (Mo - FR 8-11 Uhr u. 14-16.30 Uhr). 5. Übernachtungen ab 4-
Bettzimmer im Studentenwohnheim (Zimmer mit Bad / WC), ohne Beköstigung. Die Zimmerzuteilung erfolgt gleichgeschlechtlich nach
fortlaufendem Buchungseingang, nach dem Zusfallsprinzip 6. Reisebegleitung ab Frankfurt bis PEK + in der 1. Woche in Peking. Ab 2.
Woche, Selbstverwaltung durch die Gruppe. Mindestteilnehmerzahl 20 / Hochstteilnehmerzahl 30!
A-Preis: 1.985 € pro Person* - nur für Med. Stud. mit gültigem Physikumsnachweis!
B-Preis: 2.175 € pro Person* - für alle anderen!
Achtung, Stornierungsgebühren: bis 31 Tage vor Abreise: 80 €, ab 30 Tage bis 0 Tage: 100%
*Im genannten Preis sind noch keine Treibstoffzuschläge & Sicherheitsgebühren etc. enthalten! Für 2009 können sie heute noch
nicht präzisiert werden. Vielen Dank für Ihr Verständnis, daß wir diese Gebühren zu gegebener Zeit separat an Sie berechnen!
CIST organisiert und besorgt im Auftrag des o.a. Teilnehmers die genannten Leistungen (1. bis 6.). Die Auswahl der beteiligten Leistungsträger erfolgte
unter Wahrung der Sorgfaltspflicht. Mit dem nachfolgenden Signum gibt der Teilnehmer/Unterzeichner die Organisation/Besorgung der aufgeführten
Leistungen bei CIST für sich in Auftrag und erkennt die Geschäftsbedingungen von CIST als verbindlich an. Eine Haftung von CIST für Schäden aller Art ist
ausgeschlossen. Die Reise, der Aufenthalt und die Klinikaktivitäten und Aktivitäten am Patienten erfolgen auf Risiko des Teilnehmers. Der Rechnungserhalt
gilt als Auftragsbestätigung und als Bestätigung der vorgenommenen Buchungen. Fälligkeit der Anzahlung direkt nach Rechnungserhalt: 250 €. Die Rest-
zahlung erwarten wir verbindlich eingehend bis 15.05.2009. Die Reiseunterlagen überstellen wir ca. 7 Tage vor Reiseantritt per eingeschriebenen Brief,
jedoch erst nach völligem Ausgleich der Gesamtrechnung. Das Postrisiko trägt der Teilnehmer. Alle vorstehenden Angaben freibleibend. Irrtum und Änder-
ungen jederzeit vorbehalten. Stand: 25.12.2008 (Druckdatum:25.12.2008)
Ort,
Datum
Rechtsverbindliche Unterschrift

Naturheilkunde
RepoRt
AlteRnAtive heilmethoden
55
Worte sind ein wesentlicher
Bestandteil jeglicher Kommu-
nikation. Mit ihrer Hilfe kann
eine Person der anderen unterschiedliche
Sachverhalte weitergeben. Das Wort allei-
ne ist ein bloßes Vehikel, entscheidend ist
die Interpretation seines Inhaltes durch die
kommunizierenden Personen.
Verstehen beide das Gleiche? Kom-
men beide letztlich zur selben Diagnose?
„Xuán“ (siehe Kreis) besteht aus zwei Teilen.
Separat betrachtet zeigt der linke Teil einen
Bogen, der beim chinesischen Betrachter
auch ein Wahrnehmungsgefühl für kräftig
und relativ dünn hervorruft. Der rechte
Teil ist hier ein Aussprachehinweis. „Sieht“
man jedoch beide Teile, die „Xuán“ bilden,
als eine Einheit, versteht der Betrachter
„nur“ Sehne des Bogens. Die „Mischung“
aus visueller Wahrnehmung und üblichen
Emotionen, die beim Betrachten zusätzlich
entstehen können, führen dann zu einem
meinungsbildenden Gesamtverständnis
Man sitzt in Peking im Hörsaal einer der
bedeutendsten medizinischen Forschungs-
und Ausbildungseinrichtungen Chinas* und
der Professor spricht von „Kälteinvasion der
Leitbahn“, „aufsteigendem Leberfeuer“
oder davon, dass das bloße, zu tiefe Einste-
chen einer kleinen Nadel „die Kälte in die
Tiefe eindringen lässt“ – und damit Schaden
anrichten kann! Unvorstellbar, wo doch die
„gerac“- Studie gezeigt haben soll, dass
es egal ist, wo man die Nadel hinsticht?
Starker Tobak für einen promovierten,
deutschen Facharzt, der um die großartigen
Errungenschaften der westlichen Medizin
weiß und mit ihnen aufwuchs.
Die traditionelle chinesische Medizin,
oder in anderen Ländern Asiens auch
„orientalische Medizin“ genannt, ist medi-
zinische Wissenschaft in Reinform – reine
Empirie. Daher ist das einfache Wörtchen
„verstehen“ das, worum sich alles dreht.
Denn nur, wenn man sie versteht, kann
man diese Wissenschaft erlernen, sinnvoll
umsetzen und anwenden.
Wesentliches element der tCm-dia-
gnostik ist die pulsdiagnose. Dabei ist
die richtige Bewertung der „Pulsqualität“
entscheidend.
Die Fakten sind einfach: Es gibt 28 ver-
schiedene Pulsqualitäten, 6 spezielle
Pulse und 10 moribunde Pulse. Die 28
Pulsqualitäten werden in einfache und
komplexe Pulse unterteilt.
Für jede der 28 Pulsqualitäten steht
ein chinesisches Zeichen, das sie also
bildlich beschreibt. Sie werden in der
deutschen Literatur mit „oberfläch-
Sind wir eigentlich ohne weiteres mit westlicher Erziehung, west-
lichem Denken und westlicher Literatur dazu in der Lage, die TCM-
Diagnostik, die wir anwenden, überhaupt richtig erfassen zu können?
Das einfache Wort „verstehen“ ist das, worum sich alles dabei dreht.
pulsdiagnostik
- transkriptionsprobleme und hindernisse -
Dr. med. Thomas Braun
Verfasser:
In Zusammenarbeit
mit ww.tcm-experten.
de, Dr. med. Tho mas
Braun, D- 93413
Cham, Ludwigstr. 10,
Tel.: 09971/99 5366,
E-Mail: M @ dizin.de,
Internet: www.akc.li
Facharzt für Allge-
meinmedizin, Sport-
medizin, Homöopa-
thie, Chirotherapie,
Notfallmedizin, Qua-
litätsmanagement,
Akupunktur
Weiterbildungsbe-
fugter Arzt der Baye-
rischen Landesärzte-
kammer für Akupunk-
tur, Lehrbeauftragter
der Akupunktur- und
TCM-Gesellschaft in
China weitergebil-
deter Ärzte, Home-
page: www.atcä.de
Bild 1: Was bedeutet eigentlich das „chinesische Schriftbild“ für
die Pulsqualität Xuán Mài wirklich? Welche Rückschlüsse zieht
der chinesische „Betrachter“ des Wortes (Schriftzeichen = Bild)
und welche der deutsche „Leser“ des Wortes (Abfolge von Buchsta-
ben). Frau Wang Yue, TCM-Deutsch-Fachdolmetscherin in Peking.
Der zufriedene
Aku punkturpatient
(Download-Foto un-
ter: www.hwato.de)
© www.tcm-experten.de
© www.tcm-experten.de
tRA
ditionelle C
hinesisC
he m
edizin

Naturheilkunde
RepoRt
AlteRnAtive heilmethoden
56
lich“, „tief“, „rollend“, „rau“
etc. beschrieben, bzw. aus
dem Chinesischen vielleicht
manchmal zuerst ins Englische
und dann ins Deutsche über-
setzt.
Weil die meisten Erkrankungen
durch Störungen von Qi oder
Blut oder von einem gestörten
Fluss beider herrühren, kann
man krankhafte Veränderungen
am Puls erkennen.
Deutsche Lehrbücher, mit teil-
weise liebevollen Darstellungen
und Beschreibungen der Pulsqua-
litäten ermöglichen dem Leser
einen ersten Einblick. Doch schon
der erste Versuch, sich anhand
eines entsprechenden Buches von
einem chinesischen Professor die
Einzelheiten näher erklären zu
lassen, um, wie man glaubt, etwas
tiefer in die Materie einsteigen zu
können, wird mit der Bemerkung,
das Buch sei z. T. falsch, zu einem
jähen Ende gebracht.
In der Vorlesung erfährt man
dann mehr:
In den Klassikern werden neun
Zonen, die zur Pulsdiagnostik
geeignet sind, beschrieben. Im
klinischen Alltag ist heutzutage
in China die Pulsuntersuchung
an der handgelenksnahen Art.
Radialis üblich.
Patient muss dabei ent spannt
sein, also nicht nach
körperlicher Arbeit
Essen
etc.
Mindestens 50 Schläge
tasten
Bequeme Sitzposition
Auf Herzhöhe tasten
Die Position der Finger ist
einheitlich (drei Zonen):
Zeigefinger distal, Ringfin-
ger proximal
Beim Anlegen der Finger
gleitet man sanft mit dem
Mittelfinger distal (Guan),
bis die Erhebung des pro-
cessus styloideus radii ei-
nen sanften Widerstand
spüren lässt, dann legt man
den Zeigefinger distal (Cun)
in die proximale Beugefal-
te des Handgelenkes und
den Ringfinger distal (Chi)
im gleichen Abstand zum
Mittelfinger auf.
Die Pulsuntersuchung er-
folgt dann in drei Druckstu-
fen (leicht, mittel und stark),
die mit dem Gewicht von
drei, sechs und neun Boh-
nen beschrieben werden.
Die Untersuchung des
Pulses erfolgt beidseits.
Somit ergeben sich 9 Dia-
gnosezonen.
Die Organzuordnung der ein-
zelnen Pulspositionen ist:
Rechts:
Chun
Lu/Di
Guan
MP/Ma
Chi
Ni (re.)
Links:
Chun
He/Dü
Guan
Le/GB
Chi
Ni (li.)
Primär wird in 10 Qualitäten
(jeweils 5 Yang- und 5 Yin-
Qualitäten) unterteilt:
Oberflächlich – tief
Schnell – langsam
Voll/ kräftig – schwach
Form: Dick – dünn; hart
– weich
Zusätzlich kann der Puls Eigen-
schaften haben:
saitenförmig
gespannt
rollend
schabend
fadenförmig
aussetzend
wogend
breit
schroff
tRA
ditionelle C
hinesisC
he m
edizin
Bild 2: Wesentliches Element der täglichen klinischen Diagnostik im
heutigen China ist die Pulsdiagnose; www.akc.li
Bild 3: Chinesisches Lehrbuch,
Kapitel Pulsqualitäten. Im Übungs-
kissen Akupunkturnadeln mit
Silberwendelgriff für Grundkurs-
teilnehmer.
© www.akc.li
© www.tcm-experten.de

Naturheilkunde
RepoRt
AlteRnAtive heilmethoden
57
tRA
ditionelle C
hinesisC
he m
edizin
Die Freude, das alles schon gele-
sen zu haben, wird jedoch bald
getrübt: Sprachverwirrung.
Die Pulsdiagnose hat mit 30 -
40% der Diagnostik einen großen
Stellenwert in China.
Die Beschreibung, was ei-
gentlich mit den (übersetzten)
Worten gemeint ist:
Oberflächlich: wie Holz,
das auf Wasser schwimmt
Tief: wie versunkener Stein
im Wasser
Schnell: mehr als 5 Puls-
schläge pro Atemzug
Langsam: wie gefrorener
Fluss im Winter langsam
fließt (< 4 /Atemzug)
Saitenförmig: wie die Saite
einer Violine
Gespannt: wie gespanntes
Seil
Rollend: wie ein erbsengro-
ßer Ball auf einem Teller,
nur kurz unter dem Finger
fühlbar, fühlt sich schnell
an
Haftend: Glasscherbe kratzt
an Bambus, berührt Finger
länger als normal
Dünn: wie feiner Faden,
klar tastbar
Wo bleibt der oft gelesene „schlüpf-
rige“ Puls oder auch der „raue“ und
wo der „fadenförmige“? Intensive
Suche in der mitgebrachten Lite-
ratur fördert eine englische Über-
setzung sowie ein nicht in Pinyin
geschriebenes „chinesisches“ Wort
zu Tage. Dazu zwei Beispiele:
Damit lässt sich dann zumin-
dest etwas von der anfänglichen
Verwirrung beseitigen.
schlüpfrig steht für englisch
slippery und chinesisch hua,
dieser Puls entspricht also dem
o. g. rollenden, der sich anfühlt
wie Bällchen auf dem Teller.
Die Begriffsverwirrung kommt
möglicherweise auch dadurch
zustande, dass Autoren in ih-
rem Wörterbuch nachgeschaut
haben und unter der Rubrik
hua als einziges huá, das dort
mit rutschig übersetzt steht,
gefunden haben.
Als weitere Beschreibung
des haftenden Pulses steht in
einem Buch auch schabend,
im Versuch zur Zuordnung
Bild 4: Die richtige Position der Finger. Der kleine Finger hat keine Auf-
gabe. Prof. Hu Jinsheng, der Direktor des Internationalen Ausbildungs-
zentrums am WHO-Collaborating Centre for Traditional Medicine in
Peking, führt die Pulsdiagnostik durch. Eine Leseprobe unter www.
akupunkturexperten.de/hujinsheng.html)
Bild 5: „Langnasen“ beim Erlernen der Pulsdiagnostik. Um das
Krankheits bild des Patienten richtig erfassen zu können, muss sich
der untersuchende Arzt in das, was er fühlt, so vertiefen, dass er
erkennen kann, woher die Störung kommt. Im Bild die Moderatoren
des ärztlichen Qualitätszirkels Oberpfalz: Dr. Peter Hieber, Weiden
(links), und Dr. Thomas Braun, Cham (Mitte). www.akupunktur-net.de
© www.tcm-experten.de
© www.tcm-experten.de

Naturheilkunde
RepoRt
AlteRnAtive heilmethoden
58
tRA
ditionelle C
hinesisC
he m
edizin
zum englischen hesitant (was
ja eigentlich zögerlich bedeu-
tet) und zum chinesischen
Se. Große Unterschiede in
der Beschreibung weisen auf
deutlich unterschiedliche
Empfindungen der Autoren
hin. Die Beschreibung: „Glas-
scherbe kratzt an Bambus“
scheint für uns Mitteleuropäer
leicht nachzuvollziehen. Vom
chinesischen Lehrkörper be-
kommen wir dazu noch den
Zusatz: „am grünen Bambus“.
Hilft auch nicht viel weiter,
also: Grünen Bambus suchen,
Glasscherbe oder Taschen-
messer in die Hand und damit
kratzen. (Anm.: Ist übrigens
ein ganz eigentümliches Ge-
fühl minimaler Vibrationen,
die fast am eigenen Finger kit-
zeln. Findet sich, wenn man
es weiß, gar nicht selten!)
Soviel zu den
Grundlagen, und
nun das prak-
tische Lernen:
Wo, wenn nicht
in China, könnte
man das lernen.
Mit erfahrenen
Kollegen die Be-
funde abzuglei-
chen, ist jedoch
nicht ganz ein-
fach, denn dabei
wird man nicht
selten von chine-
sischen PJ-Stu-
denten umringt,
deren Bestreben
das gleiche ist
– Pulsdiagnos-
tik praktisch zu
erlernen. Dieses
Erlebnis ist aber ein Beweis dafür,
dass man auf dem richtigen Wege
ist, die Chinesische Medizinwis-
senschaft, TCM, tatsächlich zu
begreifen.
Ein Fall: Patientin, 70 Jahre, Fett-
leibigkeit, jedoch ausgezehrt wir-
kende Beine mit häufigen Kniebe-
schwerden, Schwindel, Herzklop-
fen, Kopfschmerz, RR 160/95, Puls
insgesamt fadenförmig, rollend,
auffällig jedoch links (nicht rechts)
das Anfluten in der Guanposition.
Zunge siehe Abbildung. Aktuelles
Syndrom: Aufsteigendes Leberfeu-
er. Therapie: Akupunktur – schon
nach der ersten Sitzung Linderung
der Beschwerden.
Abschließend bleibt eigentlich
nur zu sagen:
„Fühle den puls nicht nur mit
den Fingern, sondern mit dem
herzen!“ (übersetztes) Zitat von
Prof. Huang Tao.
* WHO-Collaborating Center for Traditio-
nal Medicine, Institute of Acupuncture and
Moxibustion, China Academy of Chinese
Medical Sciences (vormals: China Aca-
demy of Traditional Chinese Medicine).
China Beijing International Acupuncture
Training Centre – Vertreter für Deutschland:
Andreas Rinnößel, D-78713 Schramberg,
Schiltachstr. 63, Tel.: 07422 / 21665
Wortbedeutungen:
Oft wird nicht nur in Büchern erklärt, man solle sich vorstellen mit einer Messerklinge oder Glasscher-
be über einen Bambusstab zu streichen, um eine bestimmte verzögerte Pulsqualität nachvollziehen zu
können. Dies mutet prinzipiell recht einfach an, aber: Für den Chinesen ist grüner Bambus mit einer
lebenden, „messerbremsenden“ Oberflächenstruktur selbstverständlich. Er wuchs damit auf. Für den
Chinesen spielen die für Bambus charakteristischen „Knoten“ im Stab jedoch in diesem Fall gar keine
Rolle. Er beschreibt das wahrzunehmende Gefühl zwischen den „Knoten“.
In unserem Kulturkreis hingegen wuchsen wir vor nicht allzu langer Zeit nur mit gelben, harten und
glattoberflächigen Bambusstöcken auf. So ist es nicht selten, dass hier zuerst an gelben Bambus gedacht
wird. Für uns in Deutschland sind die „Knoten“ für den Bambus charakteristisch. So charakteristisch,
dass die „Verzögerung“ beim Messerstrich auf glattem Bambus meist eher der Unterbrechung bzw.
Verzögerung zugeschrieben wird, die beim Überwinden der „Knoten“ entsteht.
Bild 6: Deutliche Rötung, jedoch
nicht der Spitze, klebriger Belag.
Bild 7: Frau Tong, TCM-Deutsch-Fachdolmetscherin in
Peking, bei der Erläuterung einer Krankengeschichte.
© www.tcm-experten.de
© www.akc.li

Aus der PrAxis
Naturheilkunde
rePort
Es sei nicht aus-
zuschließen,
dass sich bei der
Punktestimulation
und beim Heraus-
ziehen silikonisier-
ter Akupunkturna-
deln Silikon bzw.
Sili konöl abstreift
und im Körper des
naturheil kundlich
zugewandten Pa-
tienten verbleibt.
Diese Vorstellung
behagt mir auch
als homöopathisch
tätiger Ärztin nicht.
Aus Gesprächen
mit meinen Aku-
punkturpatienten
weiß ich, dass diese aufgrund des o.g.
Sachverhaltes auch keine silikonisier-
ten Nadeln für ihre Behandlung wün-
schen.
Das Argument der besseren Gleitfähig-
keit greift hier nicht. Akupunktur ist mehr
als nur „Nadeln in Fleisch zu stechen“.
Das sichere Beherrschen der unterschied-
lichen Stich- und Stimulationstechniken,
die man am besten bei der klinischen
Ausbildung direkt am Patienten erlernen
kann, ist eine wesentliche Voraussetzung
für eine weitgehend schmerzfreie und
wirkungsvolle Akupunkturbehandlung.
Die Akupunktur, so wie sie mir im
Mutterland der TCM in den chinesischen
Fachkliniken näher gebracht wurde, kann
mit silikonisierten europäischen oder
japanischen Nadeln mit Plastikgriff nicht
in all ihren Facetten und Möglichkeiten
ausgeschöpft werden. Beispielsweise die
wichtige Moxibustion, die sogenannte
„Warme Nadel“ - therapiefördernd z.B.
bei Rückenschmerzen, Gonarthrose
(Knieschmerzen) sowie allen Kälteer-
krankungen nach TCM - kann nicht mit
silikonisierten Akupunkturnadeln mit
Plastikgriff durchgeführt werden. Das
Abglimmen des Moxa-Beifußkrautes bzw.
der Moxa-Zigarren würde den Plastikgriff
und das Silikon verbrennen oder schmel-
zen lassen.
Auch die Elektrostimulation (kaum
wegzudenken z.B. bei Schlaganfällen,
Gesichtslähmungen) kann mit silikoni-
sierten Akupunkturnadeln mit Plastikgriff
nicht oder nur mit großen Umständen
durchgeführt werden. Des Weiteren soll
zwischen Arzt und Patient eine energe-
tische Verbindung entstehen, um optimale
Therapieergebnisse zu erzielen. Mit „iso-
lierten“ Akupunkturnadeln ist auch dies
nicht gewährleistet.
In China herrscht die Auffassung, dass
akute Krankheiten mit dickeren Nadeln
behandelt werden sollen, die eine stär-
kere Stimulation der Lebensenergie Qi
verursachen, und chronische Krankheiten
mit dünneren Akupunkturnadeln, die in
dem Fall einen energetisch schwächeren
Reiz verursachen sollen. Je nach Notwen-
digkeit greifen die Akupunkturexperten
dort auf über 30 unterschiedliche Na-
delabmessungen zurück. Ich verwende
in meiner Praxis silikonfreie Akupunk-
turnadeln mit Silberwendelgriff, die mir
von chinesischen Akupunkturspezialisten
empfohlen wurden. Diese werden in der
weltweit ältesten Manufaktur für Aku-
punkturnadeln, in Suzhou, hergestellt.
Akupunkturnadeln
- Vorsicht bei silikonisierten Nadeln -
Öko-Test informierte zuletzt über „eingeölte Nadeln“ in der
Akupunktur und Granulome (entzündliche Knoten). Das Ver-
brauchermagazin riet, dass Patienten die Akupunkteure bitten
mögen, auf silikonbeschichtete Akupunkturnadeln zu verzichten
(ÖKO-Test Kompakt Akupunktur vom 21.05.2007, Seite 131).
Dr. med. Annette Kurz
ehrenflaggen bekunden der weltbekannten Frau
Prof. Zhou die dankbarkeit ihrer Patienten. V.r.:
Frau Prof. dr. Yunxian, dr. Yunxian, dr. Kurz,
Prof. Wenrui, am institut des WHo Collabora-
ting Centre for traditional Medicine in Peking.
die Verfasserin
Dr. med. Annette Kurz,
HNO Fach- und Aku-
punkturärztin, HNO-
und Akupunktur-
Praxis, Münchener
Straße 41, D-60329
Frankfurt am Main,
Tel.: 069/23 2502
Möchten Sie Fragen zu
Akupunktur und TCM
stellen oder Antworten
nachlesen? Besuchen
Sie das Forum „Pati-
enten fragen - Aku-
punkturärzte antworten“
mit nahezu 400 beant-
worteten Fragen: www.
akupunkturexperten.de.
© www.tcm-experten.de
der kleine Patient wurde
erfolgreich gegen eine
traumatische Armplexus-
lähmung akupunktiert.
Leser-ser
V
iC
e
68
tCM

Naturheilkunde
RepoRt
thema des monats
48
Beim Studium der alten Klassiker
der Chinesischen Medizin kann
man nur über die Vielfalt der dort
vorgestellten diagnostischen und therapeu-
tischen Methoden staunen. Aber wenn wir
heute in unsere modernen Lehrbücher der
Akupunktur sehen, sind die „essentials“
nur zu einem kleinen Teil am Anfang der
Bücher dargestellt. Dann folgen in der
Regel im Wesentlichen stark vereinfachte
Behandlungsregeln sowie eine WHO-No-
menklatur von nummerierten Punkten und
Extrapunkten, wobei letztere ursprünglich
auf eine Vereinheitlichung durch Mao zu-
rückgehen. Viele der diagnostischen Grund-
lagen, wie z.B. die chinesische Psychologie
(Wu Shen), moralische Konstitutionslehre
(Wu Lun), fehlen komplett. Ist die Zhong
Yi daher wirklich in Europa angekommen?
Lassen sie uns
nach China schauen
Trotz der bereits umfangreichen Diskus-
sionen über Unterschiede einer TCM-
Ausbildung in Europa und China sind die
Eckdaten klar: Derzeit dauert ein Zhong
Yi-Grundstudium in China etwa 6 Jahre
und nach einer anschließenden 3-jährigen
Masterausbildung, ähnlich unser Facharzt-
ausbildung, besteht die Option auf einen
3-jährigen Doktorkurs. Häufig wird diese
Zeit als „attended doctor“ (analog zu As-
sistenzarzt) abgeleistet. Die Bedeutung
dieser umfangreichen Zhong Yi-Ausbildung
(analog zu unserem Medizinstudium)
spiegelt sich nicht nur in der sozialen
Anerkennung, sondern auch politisch in
einem eigenen „Gesundheitsministerium“
für Traditionelle Chinesische Medizin in
der V.R. China wider. Aber nicht nur in
der Ausbildungszeit, sondern vor allem im
chinesischen Denken und Lernen liegen
die grundlegenden Unterschiede.
Zur Verdeutlichung ein kleiner
biographischer exkurs:
Am Anfang meiner mehrmonatigen Aus-
bildung in China musste ich wie alle chi-
nesischen Anwärter erst einmal mein 1,5
cm dickes Lehrbuch mit einer Akupunk-
turnadel durchlöchern, was allerdings erst
nach 2 frustrierenden Wochen des Übens
von früh bis spät gelang.
Die Lehre nach konfuzianischem Ver-
ständnis, mit Erlernen von Geduld, Kraft
und Ausdauer, war verstanden. So ist die
Ausbildung in China zwar uneuropäisch
streng, aber persönlichkeitsschulend und
ergebnisorientiert.
Seitdem „gehört die Nadel zur Hand“,
wie mein Lehrer darauf sagte, und ich
weiß, dass sie meine wichtigste Lektion
war. Anzumerken bleibt allerdings: Bei
den dort verwendeten Akupunkturnadeln
handelte es sich um vielleicht hundertfach
gebrauchte, wieder sterilisierte Nadeln,
Längst hat die Xi Yi, die westliche Medizin, ihren Weg nach China gefunden und
auch die Zhong Yi, die Medizin der Mitte, ist bei uns „angekommen“. Handelt es
sich aber wirklich um Zhong Yi im traditionellen Sinn? Interpretieren wir wirklich
alles richtig, bzw. wenden wir es richtig an? Welche kulturellen Übersetzungsfehler
machen wir und woher kommen sie? Das sind Fragen, die wir uns auch stellen sollten.
Zhong Yi = traditionelle Chinesische medizin
(tCm) - eine standortbestimmung
t
R
ad
It
IoneLLe C
h
InesIsC
he med
IZIn
der Verfasser
Dr. Gregor Dietze,
Akupunkturpraxis,
88662 Überlingen
am Bodensee, Auf
dem Stein 18.
Ausgebildet am
WHO Collaborating
Centre for Traditional
Medicine in Peking
Dozent der ATCÄ
– Akupunktur und
TCM-Gesellschaft in
China weitergebil-
deter Ärzte e.V.
Zusammenarbeit mit
www.akupunkturbehandlungen.com
Dr. Gregor Dietze
© www.tcm-experten.de

Naturheilkunde
RepoRt
t
R
ad
It
IoneLLe C
h
InesIsC
he med
IZIn
thema des monats
49
mit traditionellem Silberwendel-
griff, nicht wie in Deutschland um
Einmalnadeln, z.B. mit Silikonbe-
schichtung oder Führungsröhrchen
als Stechhilfen. Speziell für den
Bedarf in Deutschland werden
besonders hochwertige sterile Ein-
malnadeln mit Silberwendelgriff
produziert (Expertensortiment). Es
gibt über 30 Nadelabmessungen,
bei bis zu 6 Stärken je Länge - von
0,16 x 10 mm für die sensible
Gesichts- und Mikrosystemaku-
punktur bis hin zu 0,32 x 100 mm
für Gallenblase 30 (www.exper-
tensortiment.de).
Wie können wir aber
verstehen ohne „chine-
sisch“ zu denken?
Von vielen Sinologen ist das asia-
tische Denkmuster vielfach interpre-
tiert worden, aber rein medizinisch
gesehen liegt der Unterschied vor
allem im chinesischen „knowing
how“ statt dem westlichen „know-
ing that“. Wie häufig kennen wir in
Europa zwar Punkte und Punktkom-
binationen zu Symptomen, ohne
aber einen Syndromkomplex mit
Ursachen und Entwicklung zielge-
richtet herauszuarbeiten. Weiterhin
findet man hierzulande in der Praxis
auch nur selten die für eine traditio-
nelle Syndromanalyse erforderliche
Puls- und Zungendiagnostik.
In der chinesischen Ausbildung
werden vor allem die Fähigkeiten
und der Sinnzusammenhang in
den Vordergrund gestellt, nicht das
Wissen von diagnostischen und the-
rapeutischen Regeln. Der bekannte
westliche Vorwurf, dass ein und
dieselbe Krankheit in China von
unterschiedlichen Ärzten jeweils
anders behandelt wird, entspringt
dem westlichen Lehren und Lernen.
Im Ordnungsprinzip des chine-
sischen Denkens spiegelt sich das
„Sich-auf-etwas-Verstehen“ in der
Individualität der Therapie wider.
Nach Prof. Yi: „Die Wege zur Be-
handlung sind so vielfältig wie die
Fahrstrecken in einer Stadt zum
Ziel.“ So ist nach chinesischem
Verständnis Kopfschmerz (Tou Tong)
auf verschiedene Syndrome zurück-
zuführen, welche selbstverständlich
unterschiedlich behandelt werden.
Dabei hat jeder Akupunkteur auch
seine eigene Punktauswahl.
Die Individualität der TCM-The-
rapie kommt in erster Linie dadurch
zustande, dass der jeweilige Zustand
des Patienten vom Behandler erfasst
und damit die Behandlungsstrategie
festgelegt wird. Ergänzend hinzu
kommt die jeweilige Erfahrung und
Intuition des Therapeuten.
Die unser Denken bestimmende
kausale Logik kann der der chine-
sischen TCM zugrunde liegenden
Logik in ihrer Bandbreite von
Handlungsoptionen und täglichen
Therapieänderungen häufig nicht
folgen. Deshalb waren viele euro-
päische Studenten zunächst ärger-
lich, wenn auf ihre Frage: „Warum
wird dieser Punkt gestochen und
nicht wie gestern jener?“ nur „chi-
nesisches“ Schulterzucken folgte.
© www.tcm-experten.de
© www.tcm-experten.de

Naturheilkunde
RepoRt
thema des monats
50
Ein Studium der TCM bietet sich
für Europäer an verschiedenen
chinesischen Universitäten an.
Voraussetzung ist das Beherr-
schen der chinesischen Sprache in
Wort und Schrift. Eine Alternative
besteht in einer Ausbildung an
bewährten WHO Collaborating
Centres for Traditional Medicine,
wobei jenes in Peking seit nahezu
20 Jahren durch einen Bevoll-
mächtigten hier in Deutschland
vertreten wird (www.akupunktura.
de). Dort werden aufeinander auf-
bauende und in Deutschland an-
erkannte Kurse unterschiedlicher
Dauer angeboten, in denen die
Teilnehmer in den chinesischen
Klinikalltag integriert werden.
Aber vor allem wird durch eine
Einbindung in das normale chi-
nesische Leben auch die wichtige
„Ausbildung des Erfahrens“ neben
der gewohnten „Ausbildung des
Lernens“ möglich. Beispielswei-
se isst man gerne bei „Mama“,
einem kleinen, nichttouristischen
Restaurant zu Abend und genießt
die typische chinesische Haus-
mannskost. Oder man zelebriert
in 8 Schritten eine traditionelle
Fußmassage, die 1 ½ Stunden
dauert. Nach der normalen an-
fänglichen Skepsis sind viele Kurs-
teilnehmer so zu Anhängern der
TCM und der chinesischen Kultur
geworden. Aber man braucht
keine sinophile Einstellung, um
durch eine „Ein“-Sicht der chine-
sischen Umgebung und Erkennen
von Lebenserscheinungen zum
„Innersten“ der Zhong Yi vorzusto-
ßen. In der Chinesischen Medizin
gibt es im Wesentlichen nur vari-
able Erscheinungen einer inneren
und äußeren Welt, welche ein
komplexes Syndrombild zeigen.
Unserem westlichen dialektischen
Denken bleiben diese vielfältigen
Bilder häufig verschlossen.
Darum die Frage: Ist die Zhong
Yi bei uns wirklich schon „ange-
kommen“ oder was bezeichnen
wir als Traditionelle Chinesische
Medizin? Oder müssen wir unsere
kulturell geprägten Übersetzungen
und Denkmuster „überarbeiten“?
Wie haben wir TCM gelernt und
verstanden und entspricht das
tatsächlich Zhong Yi?
© www.tcm-experten.de
t
R
ad
It
IoneLLe C
h
InesIsC
he med
IZIn
© www.tcm-experten.de
© www.tcm-experten.de